Ich persönlich halte Bridas Beitrag "Erziehung" etwas übertrieben.
Es ist wichtig Kindern gegenüber geduldig und tolerant zu sein. Generell bin ich überzeugt, dass verhätschelte Kinder zwar seelisch labiler, geistig unreifer und absolute Mainstream-Mitläufer sind, aber es kommt immer auf die gesamte Erziehung an. Man kann nicht sagen, dass zwischenmenschliche Anfeindungen darauf beruhen, dass Kindern keine klaren Grenzen gesetzt werden.
(Denn das ist nur im Extremfall entscheidend, also ein totaler Minderheitsfall, während das angesprochene Problem doch eher ein Massen und Gesellschaftsproblem ist)
Ich bin irgendwann zu der Überzeugung gelangt, dass kein Mensch der Welt absichtlich böse ist. Und niemand verletzt bewusst andere, nur um zu verletzen. Noch nicht einmal, um sich bewusst aufzuwerten indem sie andere niedermachen.
Niemand ist absichtlich böse. Trotzdem gibt es Arschlöcher.
Der Grund dafür ist meines Erachtens schlichtweg Ignoranz und oder Dummheit. Es ist ihnen eben NICHT bewusst, was sie anderen antun. Spricht man sie darauf an, kriegt man nur Rechtfertigungen zu hören. Natürlich, jeder Mensch hat für sein handeln eine Begründung. Der Schlüssel dazu, ein guter Mensch zu sein, liegt darin, sich diese bewusst zu machen. Das alleine reicht schon (weil wie gesagt niemand absichtlich etwas Böses tut, unser Selbstverständnis würde dafür drauf gehen).
Ein anderes Wort für das von mir verwendete "Ignoranz" wäre Sorglosigkeit. Stumpfsinn.
Ich persönlich habe viel mit Mobbing, tätlicher Gewalt von seiten der Mitschüler (Auflauern und verprügeln, Zähne ausschlagen, Arm/Finger/Nase brechen etc), häuslicher Gewalt von seiten meines Stiefvaters und Ungleichbehandlung in allen Lebensbereichen zu tun gehabt. In einem Maß, das mich zum Extremfall macht, weil mir bereits seit früher Kindheit definierende Lebensbereiche fehlen. Deshalb neige ich dazu, Menschen, die andere abwerten, zu verachten und mit dem Argument "Sie sind dumm und ignorant" meinerseits auf sie herabzusehen.
Allerdings bin ich intelligent genug zu erkennen, dass ich diese Personen auch einfach nicht kenne.
Sollte mir eine dieser Personen im Nachhinein etwas entgegenbringen, eine Entschuldigung, oder auch einfach nur eine Nettigkeit, manchmal reicht auch nur das fehlen von gemeinheiten, dann bin ich sehr schnell bereit, meine Meinung zu revidieren. Denn ich habe Verständnis für fast alle Gründe, und gebe jedem (auch jenen Arschlöchern) die Chance, mir zu zeigen, wer sie wirklich sind.
Denn das ist die Gefahr: Dass wir aufgrund gerechtfertigten Zorns selber in diese Verhaltensmuster fallen, Menschen, die andere niedermachen, nicht mehr als Menschen und Individuen mit persönlichen, durchaus tiefsinnigen Motiven und Gefühlen zu sehen. Sondern nur noch als "Mobber" "Arschlöcher" etc.
Es ist schwierig, nicht in Schubladen zu denken, schwierig, andere nicht abzuwerten.
Ich denke nicht, dass das genetisch bedingt ist, sondern psychologisch, eine logische Konsequenz aus kognitivem Bewusstsein.
Wir definieren "Ich" in Abgrenzung zu "Andere". Jegliche Erfahrung geht einher mit definition und dadurch mit Abgrenzungen. Anders funktionieren wir Menschen nicht. Bereits als kleine Kinder:
"Mama" ungleich "Papa", denn wäre es anders, könnte ein Kind zwischen Papa und Mama nicht unterscheiden. Sobald es die Zuordnung "richtig" treffen kann, grenzt es ab. Es GIBT nun einmal unterschiede im Leben, und Menschen sind unterschiedlich, weil sie individuell sind. Selbst die schnödesten Mitläufer sind individuell und einzigartig. Wie kann man da jemandem zum Vorwurf machen, dass er dieses System, auf dem unser Denken basiert wie all unsere Vorstellungen und Begriffe, unser gesamtes Wissen und alles, was wir mit Mensch verbinden, darauf aufbaut?
Wer kann vorschreiben "da ist die Grenze", "das darfst du unterscheiden und jenes nicht"?
Es ist eine simple Grundsatz und Glaubensfrage. Manche Menschen sind doof und ärgern. Man kanns leider nicht ändern, denn dann müssten wir unsere Überzeugung anderen aufzwingen. das will ich nicht einmal.
Du etwa?