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Aktuelle Stimmung: Hagel - absolute Katastrophe

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121

Mittwoch, 14. Januar 2009, 23:44

RE: Rudolf wiemer, träumen

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll.
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste 'ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtrauen gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was er damals tat,
Als um eine Birn' ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
So flüstert's im Baume: »Wiste 'ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

(Theodor Fontane)

Chaco
Was mich am meisten bewegt,
ihr ahnt es schon,
ist und bleibt die Erdrotation.


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122

Donnerstag, 22. Januar 2009, 12:06

RE: Rudolf wiemer, träumen

Noch ein Klassiker:

Der Zauberlehrling

Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
merkt ich und den Brauch,
und mit Geistesstärke
tu ich Wunder auch.
Walle! walle
Manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
bist schon lange Knecht gewesen:
nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
oben sei ein Kopf,
eile nun und gehe
mit dem Wassertopf!
Walle! walle
manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder,
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
und mit Blitzesschnelle wieder
ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
voll mit Wasser füllt!
Stehe! stehe!
denn wir haben
deiner Gaben
vollgemessen! -
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende
er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
stürzen auf mich ein.
Nein, nicht länger
kann ichs lassen;
will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Mine! welche Blicke!

O du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still!
Willst am Ende
gar nicht lassen?
Will dich fassen,
will dich halten
und das alte Holz behende
mit dem scharfen Beile spalten.

Seht da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
gleich, o Kobold, liegst du nieder;
krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich, brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
und ich atme frei!
Wehe! wehe!
Beide Teile
stehn in Eile
schon als Knechte
völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer
wirds im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen! -
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.
"In die Ecke,
Besen, Besen!
Seids gewesen.
Denn als Geister
ruft euch nur zu diesem Zwecke,
erst hervor der alte Meister."
(Johann Wolfgang von Goethe)

Oder:


Ich liebe die Musik zudem Film...

Chaco
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123

Mittwoch, 28. Januar 2009, 09:42

Nachtschwärmerei

Nachtschwaermerei



Im Dunkel der Nacht
verließ ich das Haus
die Sterne ueber mir hielten wacht
warf Steine an ihr Fenster, lockte sie hinaus



Im Schutze der Nacht
reiche ich ihr die Hand
die Sterne geben auf uns acht
und ich fuehre sie zum Strand



Der Zauber der Nacht
berauscht unsere Sinne
noch mehr als mich deine Stimme
Der Zauber der Nacht
laesst alles anders sein
wuenschte du waerest endlich mein




Der Nebel der Nacht
huellt uns ein, weil er verstecken muss
Gib acht!
Ganz heimlich schenk' ich dir einen Kuss
ganz einfach
weil ich dich einfach kuessen muss



Die Sterne der Nacht
werden blass bei deinen Augen
drohen mir den Verstand zu rauben



Im Schutze der Nacht
bring' ich dich zurueck
doch ich hatte Glueck
und hatte Zeit mit dir

. . .

geht es dir wie mir?


verfasser unbekannt
"Der Dominus spricht:
Dein Herr bin ich und doch nur Sklave Deiner Lust.
Du nennst mich Deinen Meister und doch warst Du es, die mich zu dem gemacht.
Du kniest zu meinen Füssen und doch bin ich es, der sich ehrfürchtig verneigt."

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Azrael« (28. Januar 2009, 09:47)


J-Na Löwe

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124

Mittwoch, 28. Januar 2009, 15:01

Marina Herbrik
Abschiedsbrief an Frau Moral

Nein, Sie müssen mir nichts erklären,
Frau Moral,
ich verstehe nur zu gut, weshalb Sie gehen.
An Ihrer Stelle würde ich's genauso tun.

Wissen Sie, ihr Bruder,
der Herr Respekt,
ist schon lange aus unserem Land weggezogen,
wohin weiß ich nicht.

Am besten, Sie folgen ihm dorthin
und werden glücklich.
Hier können Sie's nicht mehr werden.

Grüßen Sie Ihren Bruder von mir.
Alles Gute!





Carola Fehring

Brot und Spiele


Schwarz Rot Gold
Die Fahnen wehen
Brot und Spiele, Einigkeit
Im Konsumrausch eingebettet
Ferienzeit ist nicht mehr weit

Eingelullt in Rostbratwürstchen
Schweinebauch und kühles Bier
Flachbildschirm und Rasenmäher
Sieh ruhig hin
Dies Volk sind wir

Vollbeschäftigt und zufrieden
Industrie grinst fett und breit
Kleinkarierte Blumenkästen
Tor Tor Tor
Geranienzeit

Eingekeilt von Bürgerpflichten
Zuckerbrot und Peitschenhieb
Lachen schallend nur die Dritten
Hab mein Vaterland so lieb
Real blood is for suckers!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »J-Na« (28. Januar 2009, 15:12)


125

Samstag, 28. Februar 2009, 17:49

Sachliche Romanze von Erich Kästner
(Herrman van Veen hats übrigens auch besuchen. *mag*)

Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden
wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wussten nicht weiter.
Da weinte sie schliesslich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagt, es wäre schon Viertel nach vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie immer noch dort.
Sie saßen allein und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.
Ich bin dagegen, -denn ihr seid dafür
Ich bin dagegen, -ich bin nicht so wie ihr...

126

Dienstag, 17. März 2009, 16:54

Als ich mich selbst zu lieben begann,


...habe ich verstanden,
dass ich immer und bei jeder Gelegenheit
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist
von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich, das nennt man VERTRAUEN


Als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen,
dass emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnungen für mich sind,
gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich, das nennt man AUTHENTISCH SEIN


Als ich mich selbst zu lieben begann,
hab ich aufgehört,
mich nach einem anderen Leben zu sehnen
und konnte sehen,
dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man REIFE


Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört
mich meiner freien Zeit zu berauben
und ich habe aufgehört,
weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Freude und Spaß macht,
was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man EHRLICHKEIT


Als ich mich selbst zu lieben begann,
hab ich mich von allem befreit,
was nicht gesund für mich war
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von allem was mich immer wieder hinunterzog,
weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das „gesunden Egoismus“,
aber heute weiß ich, das ist SELBSTLIEBE


Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
immer recht haben zu wollen
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt, das nennt man DEMUT



Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert,
weiter in der Vergangenheit zu leben
und mich um meine Zukunft zu sorgen.
Jetzt lebe ich nur noch diesen Augenblick,
wo alles stattfindet.
So lebe ich heute jeden Tag und nenne es BEWUSSTHEIT


Als ich mich zu lieben begann,
da erkannte ich,
dass mich mein Denken
armselig und krank machen kann.
Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte,
bekam der Verstand einen wichtigen Partner.
Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT


Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten
denn sogar Sterne knallen aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich: DAS IST LEBEN

(von Charlie Chaplin an seinem 70. Geburtstag am 16.04.1959)
mein lied der woche 05.09. - 12.09 depeche mode - new dress

127

Dienstag, 17. März 2009, 17:37

Kleines Solo nochmal von Erich Kästner

Einsam bist du sehr alleine.
Aus der Wanduhr tropft die Zeit.
Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.
Träumst von Liebe. Glaubst an keine.
Kennst das Leben. Weißt Bescheid.
Einsam bist du sehr alleine -
und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

Wünsche gehen auf die Freite.
Glück ist ein verhexter Ort.
Kommt dir nahe. Weicht zur Seite.
Sucht vor Suchenden das Weite.

Ist nie hier. Ist immer dort.
Stehst am Fenster. Starrst auf Steine.
Sehnsucht krallt sich in dein Kleid.
Einsam bist du sehr alleine -
und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.

Schenkst dich hin. Mit Haut und Haaren.
Magst nicht bleiben, wer du bist.
Liebe treibt die Welt zu Paaren.
Wirst getrieben. Mußt erfahren,
daß es nicht die Liebe ist . . .
Bist sogar im Kuß alleine.
Aus der Wanduhr tropft die Zeit.
Gehst ans Fenster. Starrst auf Steine.
Brauchtest Liebe. Findest keine.
Träumst vom Glück. Und lebst im Leid.
Einsam bist du sehr alleine -
und am schlimmsten ist die Einsamkeit zu zweit.
Ich bin dagegen, -denn ihr seid dafür
Ich bin dagegen, -ich bin nicht so wie ihr...

128

Freitag, 27. März 2009, 15:01

im Nebel von Hermann Hesse

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein.
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war,
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist einsam sein.
Kein Mensch kennt den anderen,
Jeder ist allein.

Edit: Upsii.. hatten wa schon. Dann halt n anderes. (zurzeit bin ich fasziniert von sooo vielen Gedichten)


Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn

Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn
in den Büros, als wären es Kasernen.

Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenknöpfe.
Und unsichtbare Helme trägt man dort.
Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe.
Und wer zu Bett geht, pflanzt sich auch schon fort!

Wenn dort ein Vorgesetzter etwas will
- und es ist sein Beruf etwas zu wollen -
steht der Verstand erst stramm und zweitens still.
Die Augen rechts! Und mit dem Rückgrat rollen!

Die Kinder kommen dort mit kleinen Sporen
und mit gezognem Scheitel auf die Welt.
Dort wird man nicht als Zivilist geboren.
Dort wird befördert, wer die Schnauze hält.

Kennst Du das Land? Es könnte glücklich sein.
Es könnte glücklich sein und glücklich machen?
Dort gibt es Äcker, Kohle, Stahl und Stein
und Fleiß und Kraft und andre schöne Sachen.

Selbst Geist und Güte gibt's dort dann und wann!
Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen.
Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann.
Das will mit Bleisoldaten spielen.

Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün.
Was man auch baut - es werden stets Kasernen.
Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
Ich bin dagegen, -denn ihr seid dafür
Ich bin dagegen, -ich bin nicht so wie ihr...

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Mrs Nervtötend« (27. März 2009, 15:10)


129

Freitag, 28. August 2009, 01:24

Friedrich Hebbel (1813-1863)

Das Kind

Die Mutter lag im Totenschrein,
Zum letztenmal geschmückt;
Da spielt das kleine Kind herein,
Das staunend sie erblickt.

Die Blumenkron' im blonden Haar
Gefällt ihm gar zu sehr,
Die Busenblumen, bunt und klar,
Zum Strauß gereiht, noch mehr.

Und sanft und schmeichelnd ruft es aus:
"Du liebe Mutter, gib
Mir eine Blum' aus deinem Strauß,
Ich hab' dich auch so lieb!"

Und als die Mutter es nicht tut,
Da denkt das Kind für sich:
“Sie schläft, doch wenn sie ausgeruht,
So tut sie's sicherlich.“

Schleicht fort, so leis' es immer kann,
Und schließt die Türe sacht
Und lauscht von Zeit zu Zeit daran,
Ob Mutter noch nicht erwacht.
Ich bin dagegen, -denn ihr seid dafür
Ich bin dagegen, -ich bin nicht so wie ihr...